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Heinrich Freiherr von Esebeck (geb. Mainz, 08.02.1852, gest. Graz, 15.10.1929)

Heinrich Freiherr von Esebeck war eine starke Persönlichkeit und wirkte seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts, vor allem auch während der schweren Jahre des Ersten Weltkrieges, als Bezirkshauptmann in Murau. Die Familie Esebeck ist ein aus Hessen stammendes altes Geschlecht mit dem Stammschloß bei Schöningen im Braunschweigischen und kann im Stammbaum bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Heinrich, 1852 in Mainz geboren, kam mit seinem Vater Christian in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts aus Süddeutschland nach Österreich. Freiherrr Christian von Esebeck war Offizier (Hauptmann) der k. u. k. Armee und wurde später Gutsbesitzer.

Der Sohn Heinrich maturierte bei den Jesuiten in Metz und vertauschte den Soldatenrock mit dem eines österreichischen Beamten. Er studierte von 1873 – 1874 Philosophie an der Universität zur Würzburg und von 1874-1878 Rechtswissenschaften an der Universität Graz. Seit 4. Juli 1878 wirkte er als Konzipist und Bezirkskommissär bei der k. k. Statthalterei in Graz, bei den Bezirkshauptmannschaften Graz, Weiz, Liezen, Radkersburg, Judenburg, Cilli, Hartberg, Marburg und als Bezirkshauptmann in Gröbming und in Graz ehe er mit 8. Juli 1903 als Bezirkshauptmann nach Murau kam. Im Jahre 1913 wurde er mit dem Titel eines Statthalters ausgezeichnet.

Heinrich Freiherr von Esebeck war ein vielseitig begabter Mensch. Er nahm sich Wohltätigkeitsvereinen, wie dem Roten Kreuz an und erwirkte bei der Revolte der Soldaten im Jahre 1918, dass die hungernden Soldaten Brot aus dem städtischen Magazin erhielten. Seine sportlichen Ambitionen bewies er nicht nur in seiner Jugendzeit als Fahrer eines Hochrades, sondern in reiferen Jahren auch als Skifahrer. Als Fünfzigjähriger erlernte er noch das damals noch wenig bekannte Skifahren, und auch an den Bobsleighfahrten beteiligte er sich aktiv, wie dies auf einem Bild zu sehen ist. Gemeinsam mit dem Bezirkstierarzt Bernhard Fest belebte er das Murauer Vereinsleben wesentlich. Esebeck war von 1910 bis 1928 – außer in den Kriegsjahren – Obmann des Murauer Wintersportvereines und vermittelte dem Verein auf Grund seiner Stellung als Bezirkshauptmann so manche Vorteile. Aber auch dem Alpenverein stand der Naturfreund Esebeck seit dem Jahre 1905 jahrzehntelang als Obmann vor. Die am Kreischberg vom Alpenverein erbaute Hütte wurde in Erinnerung und Würdigung seiner Verdienste um den Alpenverein nach ihm benannt.

Freiherr von Esebeck war aber auch ein sehr kunstsinniger und kunsthistorisch interessierte Mensch. Die k. k. Zentralkommission für Denkmalpflege, Wien, ernannte ihn am 15. März 1917 zum Konservator für den politischen Bezirk Murau. In dieser Funktion bemühte er sich um die Erhaltung der Kunstdenkmäler. Als Mitglied des Vereines „Heimatschutz“, an dessen Entstehen er gemeinsam mit dem damaligen Statthalter Graf Lary beteiligt war, förderte er die heimische Bauweise und die Erhaltung sowie das Tragen der landesüblichen Trachten.
Von seinem kunsthistorischen Verständnis zeugte auch die Einrichtung der von ihm erbauten und 1916 fertiggestellten Villa oberhalb des Murtalbahntunnels. Als musischer Mensch bewies er sich bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung des Wintersportvereins Murau im Jahr 1911. Damals sang er eine Parodie auf die Oper Tannhäuser. In seinem Haus wurde viel klassische Musik gehört und betrieben.

Esebecks Wirken wurde mehrfach ausgezeichnet. Als höchste Auszeichnung wurde ihm am 30. November 1908 das Ritterkreuz des Franz-Josef-Ordens verliehen. Er erhielt auch zahlreiche Ehrenbürgerschaften von Gemeinden des Bezirkes und Ehrenmitgliedschaften in Vereinen. Heinrich Freiherr von Esebeck verstarb am 15. Oktober 1929 in Graz. Seiner am 23. November 1896 geschlossenen Ehe mit Elsa von Kaiserfeld (geb. Graz 12.12.1873) entstammen die Tochter Christiane (geb. 5.9.1897) und die beiden Söhne Maximilian (geb. 26.5.1900) und Walter (geb. 26.04.1901).