STÄDTEPARTNERSCHAFT

Städtepartnerschaft Murau - Fagagna

Vor mehr als 30 Jahren begann die Freundschaft mit der Stadt Fagagna (Italien) – damals noch auf privater Ebene: 
Hermann Freismuth vereinbarte ein Fußballspiel der Altherren Murau mit den Amatori calcio aus Fagagna.
Es entstand eine große Freundschaft, die jährlich mit gegenseitigen Besuchen gepflegt wurde und bis heute andauert.

2006 haben Sindaco Dr. Gianluigio d’Orlandi aus Fagagna und Bgm. Herbert Bacher aus Murau diese Freundschaft mit den Gemeinderäten aus beiden Städten auf politische Ebene gehoben und urkundlich besiegelt.

2007 spendete die Murauer Bürgergarde dem Kindergarten in Fagagna ein Holzhaus für den Garten.

Danach folgten mehrere Besuche in Fagagna und in Murau (z.B. das Eselrennen in Fagagna oder den Bockbieranstich in Murau usw.).

 


 
 

Das Treffen im September 2014 stand unter dem Thema „immaterielles Kulturgut der UNESCO“. Neben den Freunden aus Italien, allen voran Sindaco Daniele Chiarvesio und die für Europafragen zuständige Gemeinderätin Chiara Pecile konnte Bgm. Thomas Kalcher Laurent Devolder von der EAECA (Förderprogramm Europa für Bürgerinnen und Bürger) den Leiter der Kulturabteilung des Landes Steiermark, Mag. Patrick Schnabl, den Leiter des Referates Europa und Außenbeziehungen, Mag. Stefan Börger, Mag. Andrea Menguser vom Referat Volkskultur, Arch. Ing. Rudolf Paschek als Obmann der Bürger- und Prangschützen des Bezirkes Murau sowie die Geschäftsführerin der Volkskultur Steiermark GesmbH, Dr. Monika Primas begrüßen.

 Die Herausforderungen an ländliche Regionen in einem Europa von morgen standen im Mittelpunkt der Diskussion.


 
 


Vor allem die Bewahrung von materiellem und immateriellem kulturellen Erbe vor dem Hintergrund einer starken Abwanderung und Ausdünnung des ländlichen Raums ist eine große Herausforderung für die beteiligten Städte. Im Rahmen von intensiven Diskussionen rund um diese Themenstellung wurden aus Fagagna und Murau Beispiele aus der Praxis präsentiert (Eselrennen in Fagagna, Bürgergarde und Samson aus Murau). Ziel ist, Möglichkeiten zu finden, um die ländlichen Regionen in Zukunft zu stärken.

Bei Partnerschaftstreffen steht generell der Austausch von Gemeinsamkeiten im Vordergrund, darüber hinaus spielt der Unterhaltungsteil eine wesentliche Rolle. So wurde ein „Länderspiel“ der Altherren ausgefochten, die Brauerei Murau besucht, bei einer Abendveranstaltung kulinarische Köstlichkeiten aus Murau und Fagagna präsentiert und als krönenden Abschluss das Pfarrfest besucht. 
Ergebnis: Sindaco Daniele Chiarvesio und Bgm. Thomas Kalcher sind sich einig, ein Besuchsprogramm für Jugendliche zu starten und den Gegenbesuch von Murau in Fagagna vorzubereiten.
Vielleicht gelingt es, mit einem Murauer Esel am Eselrennen in Fagagna 2015 teilzunehmen. Die Bürgergarde trifft diesbezüglich schon Vorbereitungen. Langfristiges Ziel der Bürgerbegegnung soll auch sein, die Grundlagen für ein thematisches Netzwerk der Partnerstädte zu schaffen und somit die zukünftige Zusammenarbeit der Städte themenbezogen zu sichern.


 

Das Projekt "Murau trifft Fagagna" 2014 wurde mit Unterstützung der Europäischen Union im Rahmen des Programms "Europa für Bürgerinnen und Bürger" gefördert. Geltend für Aktion 1 Maßnahme 1.1 "Bürgerbegegnungen im Rahmen von Städtepartnerschaften”

Der Film-Bericht von MurauTV kann unter folgendem Link angesehen werden: http://www.stadtwerke-murau.at/murauTV_a2014_Fagagna.htm

 

 


Monika Primas 
Stellungnahme Volkskultur Steiermark GmbH
 :

Begegnung der Partnerstädte Murau-Fagagna 
Grenzüberschreitender Austausch bezüglich der Bedeutung und Auswirkungen des Immateriellen Kulturerbes im regionalen und europäischen Kontext


Bezugnehmend auf das grenzüberschreitende Treffen der Partnerstädte Murau und Fagagna darf Folgendes festgehalten werden:


Eine Vorzeigeinitiative 

Die Veranstaltung muss in der Steiermark in besonderem Maße hervorgehoben werden, weil ein Treffen dieser Art erstmalig zustande gekommen ist, auf äußerst hohem inhaltlichen Niveau stattfand, bestens organisiert und umgesetzt wurde und somit als vorbildhaft und nachahmenswert gilt. Diese Tatsache wurde auch ganz klar von Seiten des europäischen Vertreters der Initiative „Europe for Citizens“ bekundet. 
Vor allem in der Podiumsdiskussion haben sich markante Akzente herauskristallisiert, welche die Bedeutung von regionaltypischen kulturellen Charakteristika hervorhoben und in einen verbindenden europäischen Kontext stellten.


Immaterielles Kulturerbe zeigt vielfältige Wirkung 

In der Darstellung der italienischen wie österreichischen Ausformungen des immateriellen Kulturerbes, der landschaftlichen und kulinarischen Vorzüge, der örtlichen Sehenswürdigkeiten sowie der gesellschaftlichen Wertevorstellungen und in der darauffolgenden Diskussion darüber, kann als Ergebnis zusammengefasst werden, dass gerade die Bedeutung des immateriellen Kulturerbes in vielfältiger Form Wirkung zeigt beziehungsweise nachhaltig Wirkung zeigen wird. 
So kommt es intern unter den Kulturausübenden und der Bevölkerung zu einer Sensibilisierung und Wertschätzung gegenüber dem eigenen kulturellen Erbe. Das immaterielle Kulturerbe wirkt identitätsstiftend und gemeinschaftsfördernd. Der Mensch in seiner authentischen Ausübung brauchtümicher Handlungen steht dabei im Mittelpunkt. Kultur wird dadurch lebendig und bringt einen wesentlichen emotionalen Aspekt mit sich. Diese Identifikation und Wertschätzung wird in sehr positiver Form nach außen getragen, was wiederum überregional bzw. international einen starken verbindenden Effekt erzielt. 
Vor allem im Programm „Europe for Citizens“ erweist es sich als besonders günstig, dass Bürgerinnen und Bürger an der Gestaltung ihrer Kultur teilhaben können und ihnen die Möglichkeit zur Mitsprache geboten wird. 
Gerade für die Jugend wirkte diese Veranstaltung sehr positiv, weil zum einen hierdurch Besonderheiten in der Region hervorgehoben wurden, die unverwechselbar und charakteristisch sind, dieses wertvolle Kulturgut auch von einer Generation zur nächsten ganz bewusst weitergegeben wird – also generationenübergreifend wirkt – und zum anderen auch einen hohen Stellenwert innerhalb der Europäischen Union einnimmt – also über die Grenzen hinweg verbindend, nicht trennend wirkt. 
Dass das Immaterielle Kulturerbe auch wirtschaftliche Faktoren für eine Region positiv beeinflussen kann, zeigte sich ebenfalls. Viele Menschen in der Region verbleiben vor Ort und nehmen beispielsweise längere Anfahrtszeiten zu ihren Arbeitsstätten in Kauf, weil sie sich kulturell wohl fühlen, weil sie Zugehörigkeit zu dieser Region sehr stark empfinden. Der Abwanderung kann dadurch entgegengewirkt werden. 
Ein weiterer positiver Aspekt betrifft den Tourismus, der durch erlebenswerte Besonderheiten in der Region einen Aufschwung erfährt – allerdings in verantwortungsvoller und sehr sanfter Art und Weise, um einer möglichen Kommerzialisierung des kulturellen Erbes entgegen zu wirken. Einhergehend mit einer positiven Steigerung im Tourismus kommt es natürlich auch zu erfreulichen Zuwüchsen im wirtschaftlichen Bereich. 
Die Wertschätzung und das Verständnis für diese kulturellen Eigenheiten der zuständigen Verantwortlichen in der Landespolitik sowie der Landesverwaltung wurden ebenso klar bestätigt, sodass auch die notwendige Unterstützung von dieser Seite gewährleistet ist.


Fortsetzung erwünscht!

Das Resümee der Podiumsdiskussion gestaltete sich dementsprechend als sehr erfreulich. Der Weg von der lokalen Ebene, über die regionale und überregionale Ebene bis hin zur europäischen, ist nicht immer ein ganz unbeschwerlicher. Deshalb hoffen wir auf eine intensive Weiterführung dieser Vorzeigeinitiative und wünschen uns viele Nachfolgeinitiativen und –projekte, die uns innerhalb Europas – nicht nur kulturell gesehen - zusammenführen!


Homepage der Stadt Fagagna:

http://www.comune.fagagna.ud.it/